Zuletzt aktualisiert:
15.03.2011
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Shi Tao
10 Jahre Haft für eine E-Mail
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Shi Tao - 10 Jahre Haft für eine e-mail
Eine E-Mail veränderte Shi Taos Leben.
Am 27. April 2005 wurde der chinesische Dichter und Journalist von einem chinesischen Gericht wegen
"Weitergabe von Staatsgeheimnissen" zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt..
Die Direktive der Kommunistischen Partei Chinas
Ein Jahr zuvor, am 20. April 2004 hatte Shi Tao,
der damals bei der Zeitung "Dangdai Shangbao" in Changsha arbeitete,
eine Redaktionssitzung besucht. Mittelpunkt dieser Sitzung war eine Direktive der Kommunistischen Partei Chinas
über das Verhalten im Vorfeld des 15. Jahrestages der Demonstrationen am Tiananmen-Platz.
Diese Direktive warnte vor möglichen Aufständen und der Infiltration durch "demokratische Kräfte"
und feindliche ausländische Elemente in der Zeit um den Jahrestag. Die Medienvertreter wurden angewiesen,
"die öffentliche Meinung korrigierend zu beeinflussen" und "keine Meinungen,
die der zentralen Politik zuwider liefen, zu veröffentlichen".
Weiterhin sollten sie alle Kollegen, die verdächtige Kontakte mit "demokratischen Elementen aus Übersee" unterhielten,
bei den Behörden zur Anzeige bringen. Shi Tao schrieb die Inhalte der Sitzung mit
und sendete von seinem Büro aus über seine private E-Mail-Adresse eine Zusammenfassung
der Direktive an Hang Zhesheng, einen Mitarbeiter der
"Asia Democracy Foundation" mit Sitz in New York.
Zhesheng ist Chefredakteur der Website "Democracy Forum" und des elektronischen "Democracy Newsletter".
Um anonym bleiben zu können, gab Shi Tao als Absender den Zahlencode 198964 an.
Am selben Tag wurde seine Zusammenfassung unter eben diesem Pseudonym im "Democracy Forum" veröffentlicht,
an den Folgetagen auch auf den auslandschinesischen Websites "Boxun"
und "Chinese Democracy and Justice Party".
Die Verhaftung Shi Taos mit Hilfe von "Yahoo"
Im Mai 2004 kündigte Shi Tao seinen Job bei "Dangdai Shangbao"
und kehrte in seine Heimatstadt Taiyuan in der Provinz Shaanxi zurück,
wo er als freier Journalist arbeitete. Am 24. November 2004 wurde er dort,
nahe seiner Wohnung, von Einsatzkräften des Staatssicherheitsbüros von Changsha verhaftet,
seine Wohnung wurde durchsucht und Computer und Notebooks beschlagnahmt.
Am 28. Januar 2005 wurde er offiziell angeklagt. Shi Tao war also nicht anonym geblieben.
Sein Internet-Anbieter "Yahoo Holdings (Hongkong) Ltd." hatte
anhand der IP-Adresse den Standort des Sendercomputers ermittelt und
an die chinesischen Behörden weitergegeben. Damit hat "Yahoo" zur
Verhaftung und Verurteilung Shi Taos beigetragen.
"Yahoo" hat auf Verlangen der chinesischen Behörden
eine "Selbstverpflichtung der Internetbranche" unterzeichnet und damit faktisch zugestimmt,
den drakonischen Zensur- und Kontrollmechanismus in der VR China anzuerkennen
und sich dementsprechend zu verhalten..
Top Secret oder nicht?
Shi Tao gab im Verfahren zu, die E-Mail an Minzhu Tongxun ("Democracy Newsletter") gesendet zu haben.
Allerdings habe er damit seiner Einschätzung nach keine "Staatsgeheimnisse" verraten.
Er wollte lediglich die Bevölkerung dazu aufrufen,
nicht an Veranstaltungen und Aktionen im Zusammenhang mit dem Jahrestag teilzunehmen,
da sie zu Verhaftungen oder Schlimmerem führen könnten.
Ihm erschien diese Direktive nicht brisant,
da sie der stellvertretende Chefredakteur im Rahmen einer Routinesitzung der Redaktion weitergegeben hatte.
Die staatlichen Behörden widersprachen.
Das Material sei "top secret" gewesen.
Der Richter verurteilte Shi Tao und wies ihn darauf hin,
dass die ihm auferlegte zehnjährige Haft angesichts der Schwere
seines Vergehens sogar noch die geringst mögliche Strafe sei.
Die Haftbedingungen
Im Gefängnis von Changsha verarbeitete Shi Tao in Zwangsarbeit Schmuckstücke.
Der dabei entstehende Staub hat bei ihm schwere Haut- und Atemwegsreizungen hervorgerufen.
Ende Juni 2007 ist Shi Tao
vom Chishan-Gefängnis in das Deshan Gefängnis überführt worden,
wo er nach Informationen der Amnesty-China-Gruppe weiterhin festgehalten wird.
Die Haftbedingungen sollen sich hier allerdings deutlich verbessert haben.
Auch soll Shi Taos Mutter ihn nun regelmäßig besuchen können.
Jedoch musste Shio Tao muss auch erleben,
wie ihm der familiäre Rückhalt infolge von Schikanen gegen seine Familie wegbricht.
Seine Frau ließ sich bereits von ihm scheiden, um dem Druck zu entgehen,
dem sie wegen seiner Verhaftung an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt war.
Shi Tao hatte im Jahr 1989 selbst an den Studentenprotesten teilgenommen.
1998 konvertierte der Dichter und Journalist zum Christentum.
Darüber hinaus ist er aber nie als politischer Aktivist in Erscheinung getreten.
Nun wird er bekannt als der Mann, der eine der am teuersten bezahlten E-Mails aller Zeiten geschrieben hat.
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